Apple und Google kontrollieren mit eiserner Hand ihre App-Stores – und damit praktisch alle Smartphones der Welt. Welche Apps zugelassen werden und wie viel Provision fällig wird, bestimmen die Tech-Giganten allein. Doch der Widerstand wächst: Neue Gesetze und starke Allianzen fordern mehr Fairness.
Wenn ihr euer Smartphone entsperrt und eine neue App braucht, führt der Weg meist über den offiziellen App-Store. Doch was dort zu finden ist, entscheiden ausschließlich Apple und Google. Noch problematischer: Bei jedem Cent, der in den Apps verdient wird, kassieren die Plattform-Betreiber kräftig mit. Gegen diese Praktiken formiert sich seit Jahren Widerstand – mit ersten Erfolgen.
Das Digital Markets Act verändert alles
Seit März 2024 gelten in der EU neue Spielregeln: Das Digital Markets Act (DMA) zwingt die großen Tech-Konzerne zu mehr Offenheit. Apple musste deshalb in Europa alternative App-Stores zulassen – ein historischer Einschnitt. Entwickler können ihre iOS-Apps nun auch über Plattformen wie AltStore PAL oder Setapp Mobile vertreiben.
Doch Apple macht es den Alternativen nicht leicht: Komplizierte Installationsprozesse, Sicherheitswarnungen und hohe Hürden für App-Store-Betreiber schrecken viele Nutzer ab. Trotzdem ist es ein Anfang – und zeigt, was politischer Druck bewirken kann.
Coalition for App-Fairness kämpft weiter
Die 2020 gegründete „Coalition for App-Fairness“ hat ihre Ziele längst nicht erreicht. Mittlerweile gehören über 60 Unternehmen dazu – von Epic Games über Spotify bis hin zu kleineren Entwicklerstudios. Ihr Hauptkritikpunkt: die berüchtigte „Apple-Steuer“ von bis zu 30 Prozent auf alle digitalen Käufe.
Besonders perfide wird es bei direkten Konkurrenten: Spotify muss für jeden Premium-Abonnenten, der über den iOS-App-Store kommt, 30 Prozent an Apple Music-Betreiber Apple abdrücken. Das verzerrt den Wettbewerb massiv.

Erste Erfolge und neue Fronten
Der Druck zeigt Wirkung: Apple reduzierte 2021 die Provision für kleinere Entwickler (unter 1 Million Dollar Jahresumsatz) auf 15 Prozent. Google zog nach. Außerdem dürfen bestimmte Apps wie Netflix oder Spotify ihre Nutzer mittlerweile auf externe Zahlungsmöglichkeiten hinweisen – wenn auch nur sehr eingeschränkt.
Doch die wirklich großen Durchbrüche kommen von Gerichten und Regulierungsbehörden: Das DMA in Europa, Kartellverfahren in den USA und ähnliche Initiativen in Südkorea und anderen Ländern setzen die Plattform-Betreiber unter Druck.
Google spielt ein doppeltes Spiel
Android-Nutzer haben theoretisch mehr Freiheiten: „Sideloading“ – das Installieren von Apps aus anderen Quellen – ist möglich. Doch Google macht es kompliziert und unattraktiv. Warnmeldungen, versteckte Einstellungen und die Dominanz des Google Play Store sorgen dafür, dass kaum jemand Alternativen nutzt.
Dazu kommt: Google hat mit Smartphone-Herstellern Verträge, die den Google Play Store zur Pflicht machen. Wer Android nutzen will, muss Googles Regeln akzeptieren. Epic Games verklagte Google deshalb und gewann 2023 einen wichtigen Prozess in den USA.
Web-Apps als Alternative
Eine interessante Entwicklung sind Progressive Web Apps (PWAs): Das sind Websites, die sich wie native Apps verhalten. Sie umgehen die App-Stores komplett und können direkt über den Browser installiert werden. Microsoft, Google und andere fördern diese Technologie – nur Apple bremst systematisch.
Inzwischen zwingen EU-Regulierer auch hier Apple zum Umdenken: Alternative Browser-Engines und bessere PWA-Unterstützung stehen auf der Agenda. Das könnte mittelfristig die Macht der App-Stores brechen.
Apples Gegenangriff
Apple verteidigt sein System vehement: Sicherheit, Qualitätskontrolle und ein einheitliches Nutzererlebnis seien die Argumente. Tatsächlich ist der App-Store sicherer als wilde App-Sammlungen im Internet. Doch Experten bezweifeln, dass 30 Prozent Provision dafür gerechtfertigt sind.
Apple verdient geschätzt über 25 Milliarden Dollar jährlich mit App-Store-Provisionen – bei überschaubaren Betriebskosten. Das Geschäftsmodell ist einfach zu lukrativ, um freiwillig darauf zu verzichten.
Was können Nutzer tun?
Als Verbraucher habt ihr mehr Möglichkeiten als früher: In der EU könnt ihr auf iPhones alternative App-Stores ausprobieren. Android-Nutzer können Sideloading aktivieren und Apps direkt von Entwickler-Websites laden – auf eigenes Risiko.
Praktischer ist oft der Umweg über Web-Apps oder das direkte Bezahlen auf Anbieter-Websites statt in der App. Viele Services bieten dort günstigere Preise, weil die App-Store-Provision wegfällt.
Ausblick: Der Kampf geht weiter
Der Streit um App-Store-Fairness ist längst nicht vorbei. In den USA laufen mehrere Kartellverfahren, weitere Länder arbeiten an eigenen Regulierungen. Die Coalition for App-Fairness hat zwar erste Erfolge erzielt, aber ihre 10 Kernforderungen sind noch lange nicht erfüllt.
Klar ist: Die Zeiten der absoluten Kontrolle von Apple und Google neigen sich dem Ende zu. Ob durch Gesetze, Gerichtsurteile oder technische Innovationen – die App-Ökosysteme werden offener. Die Frage ist nur, wie lange es dauert und wie weit die Öffnung geht.
Zuletzt aktualisiert am 27.02.2026





