Mit Hilfe von KI lassen sich heute verblüffend echt wirkende Fotos, Videos und Audios erzeugen. Der Aufwand für solche “Deep Fakes” wird immer geringer. Es kursiert Software, die in der Lage ist, ohne weiteres Gesichter in Videos auszutauschen oder Personen beliebige Texte sprechen zu lassen. Das ist technisch alles sehr interessant und auch mitunter unterhaltsam – aber auch gefährlich.

So manche Überzeugung sollten wir dringend überdenken. Etwa das weit verbreitete Prinzip: “Ich glaube nur, was ich mit eigenen Augen sehe!”

Das war zwar auch in der Vergangenheit schon nicht immer ein optimaler Zugang zur Welt, wird aber in Zukunft mehr und mehr zum gefährlichen Trugschluss. Denn KI gaukelt uns eine Welt vor, die so gar nicht existiert – aber unglaublich real aussieht. Im Super-Wahljahr 2021 könnte das ungeheuer brisant sein.

Angela Merkel Fake – erzeugt in einer App

Deep Fakes: KI täuscht uns Menschen heute mühelos

Die Rede ist von Deep-Fakes: So werden Fotos, Videos und Audios genannt, die zwar echt aussehen und sich auch so anhören – aber nicht echt sind. Ganz im Gegenteil: Es handelt sich um Fälschungen. Fakes, die aus dem Computer kommen.

Mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) lassen sich heute verblüffend echt aussehende Videos erzeugen, die jeden arglosen Betrachter zu überzeugen vermögen: Ja, das sitzt Barack Obama und sagt in seinem unverwechselbaren Slang den Satz “Donald Trump is a totally and complete Dip Shit”.

Erzeugt haben dieses Video Wissenschaftler der Washington University. Das Video ist im Netz bestens bekannt. Es wäre kein Problem, wenn solche KI-Fähigkeiten nur zu Anschauungszwecken oder von mir aus für Hollywood zum Einsatz kämen.

Jens Spahn als Forrest Gump Fake

Von Verwirrung bis Panik ist alles denkbar

Aber natürlich ist es anders. Fake-Videos, die alles Mögliche behaupten können, sind geeignet, die Gesellschaft zu spalten. Verwirrung zu stiften. Den politischen Diskurs zu manipulieren. Angst und Schrecken zu verbreiten und Panik zu verursachen.

Man stelle sich vor: Es kursieren Videos, die Gesundheitsminister Spahn zeigen, der nach der Impfung kollabiert. Oder in einem vermeintlich vertraulichen Gespräch oder auch öffentlich behauptet, die Impfung sei unwirksam. Oder eine Kanzlerin, die verkündet: “Ich trete noch mal an”.

Mit Hilfe von KI ist das heute mühelos machbar. Mit Apps wie FaceApp, Reface und anderen lässt sich heute sogar schon auf dem Handy Erstaunliches erzeugen. Mit etwas mehr Mühe ist mehr möglich.

Fake-Medien im Super-Wahljahr 2021

Die Folgen sind absolut dramatisch: Welche Beweis- und Überzeugungskraft haben Videobelege in Zukunft noch, wenn wir wissen, dass sich alles leicht fälschen lässt? Wie soll Berichterstattung möglich sein, wenn ein Kleinkind mit Maus in der Hand so ziemlich alles faken kann?

Die Zahl der Deep-Fakes verdoppelt sich etwa alle sechs Monate. Die technische Qualität der Deep-Fakes nimmt rasant und enorm zu. Wir haben 2021 ein Super-Wahljahr in Deutschland. Und müssen davon ausgehen, dass wir zum ersten Mal mit Fake-Medien werden umgehen müssen. Dafür braucht es unbedingt den richtigen Umgang.

Netzpolitig.org-Frontmann Markus Beckedahl mit einem interessanten Vorschlag