Wie viel Geld habt Ihr bei Amazon ausgegeben?

von | 13.12.2022 | Digital, Internet

Online-Händler wie Amazon haben eine Eigenschaft, die zugleich Vor- und Nachteil ist: Bestellen geht mit wenigen Klicks. Wollt Ihr wissen, wie viel Geld Ihr schon ausgegeben habt? Wir zeigen Euch einen Hack dafür!

Es gibt Anbieter, die haben sich still und leise in unser Leben geschlichen und sind daraus kaum noch wegzudenken. Wer etwas verkaufen will, der denkt automatisch an eBay, wer schnell etwas im Internet kaufen will und kurze Lieferzeiten bevorzugt, der nutzt meist Amazon. Eure Zugangsdaten sind im Browser gespeichert, die Zahlungsart hinterlegt, der Kauf in wenigen Klicks erledigt. Mit Amazon Prime und der Ein-Klick-Bestellung ist der Kaufprozess 2026 noch verlockender geworden.

Ganz im Sinne der Anbieter verliert Ihr dadurch leicht den Überblick, wie viel Geld Ihr tatsächlich schon ausgegeben habt. Überraschung: Diese Information bekommt Ihr auch nicht mehr freiwillig!

Sowohl Amazon als auch eBay haben den Nutzern lange Zeit im Kundenkonto eine Gesamtsumme der Käufe zur Verfügung gestellt, diese Funktion allerdings vor einigen Jahren entfernt. 2026 ist diese Information nach wie vor versteckt – aus verständlichen Gründen: Die Summe würde viele Kunden schocken und zum bewussteren Kaufverhalten führen.

Warum versteckt Amazon diese Informationen?

Psychologisch gesehen ist das clever: Wenn Ihr nicht wisst, wie viel Ihr schon ausgegeben habt, kauft Ihr unbekümmerter weiter. Amazon hat in den letzten Jahren seine Algorithmen verfeinert und nutzt maschinelles Lernen, um euch gezielt Produkte vorzuschlagen. Die „Kunden kauften auch“-Empfehlungen werden immer präziser und verführerischer.

Zumindest für Amazon könnt Ihr Euch diese Information mit ein wenig Aufwand selbst errechnen!

Anfordern der Daten über DSGVO

Amazon mag keine Daten mehr herausgeben wollen, das scheitert allerdings an gesetzlichen Vorgaben. Die Datenschutz-Grundverordnung verpflichtet auch Amazon, dem Benutzer auf Anforderung seine über ihn gespeicherten Daten zur Verfügung zu stellen. Hier lest Ihr, wie Ihr diese anfordern könnt.

Der Prozess läuft so ab:

  • Geht in Euer Amazon-Konto zu „Mein Konto“ > „Datenschutzeinstellungen“
  • Wählt „Deine Informationen anfordern“
  • Aktiviert alle relevanten Kategorien, besonders „Bestellhistorie“ und „Retail-Daten“
  • Amazon bearbeitet die Anfrage meist binnen 30 Tagen
  • Ihr bekommt eine E-Mail mit Download-Link für eine ZIP-Datei

Nachdem Amazon Eure Anforderung bearbeitet hat und Ihr die Daten heruntergeladen habt, könnt Ihr diese selber auswerten:

Moderne Tools zur Datenauswertung

2026 habt Ihr mehrere Möglichkeiten, die Amazon-Daten zu analysieren:

1. Klassisch: Excel/Numbers/Google Sheets

In der von Amazon zur Verfügung gestellten ZIP-Datei findet Ihr eine Vielzahl von Ordnern. Für die Gesamtsumme der physischen Bestellungen findet Ihr im Ordner Retail.OrderHistory.2 die entsprechende CSV-Datei. In dieser Datei „fehlen“ die zurückgesendeten Bestellungen sowie digitale Bestellungen wie Kindle-Bücher, Filme und MP3s (die findet Ihr im Ordner Digital.Ordering).

  • Startet die Tabellenkalkulation Eurer Wahl. CSV-Dateien sind die Textversion einer Tabelle: Die einzelnen Datenspalten sind durch Kommas (CSV = Comma/Character Separated Values) getrennt.
  • Klickt auf Datei > Öffnen, stellt das Dateiformat auf CSV um.
  • Excel, Numbers oder Google Sheets zeigen einen Beispielausschnitt und fragen das Trennzeichen ab. Bei Amazon ist es das Komma.
  • Die Datenfelder werden in einzelnen Spalten dargestellt.
  • Für Eure Umsätze sind die Spalten UnitPrice (Preis ohne Umsatzsteuer) und TotalOwed (Gesamtpreis inkl. Umsatzsteuer) interessant.
  • Setzt unter diese Spalten eine Summen-Formel: =SUMME(Spaltenanfang:Spaltenende)
  • Für jahresweise Auswertung nutzt Filter auf die Datumsspalte.

2. KI-gestützte Analyse

2026 könnt Ihr auch KI-Tools nutzen:

  • ChatGPT Plus/Pro: Ladet die CSV-Datei hoch und fragt: „Analysiere meine Amazon-Ausgaben nach Jahren, Kategorien und erstelle Diagramme“
  • Claude oder Gemini: Ähnliche Funktionen für Datenanalyse
  • Python-Notebooks: Für tech-affine Nutzer ideal für detaillierte Analysen

3. Online-Tools

Mehrere Websites haben sich auf Amazon-Datenanalyse spezialisiert (Vorsicht: Nur vertrauenswürdige nutzen!):

  • Ladet niemals sensible Finanzdaten auf unbekannte Websites hoch
  • Nutzt nur Tools mit nachweisbarem Datenschutz
  • Am sichersten: Lokale Analyse auf eurem Rechner

Was die Daten verraten

Die Amazon-Datenexporte enthalten mehr als nur Kaufsummen:

  • Kaufmuster: Wann kauft Ihr am meisten? (Oft: Sonntag abends)
  • Kategorien: Wo geht das meiste Geld hin?
  • Saisonalität: November/Dezember sind meist Spitzenzeiten
  • Impulskäufe: Kleine, häufige Bestellungen summieren sich
  • Prime-Effekt: Kostenloser Versand führt oft zu mehr Käufen

Bewusster Konsum durch Transparenz

Wenn Ihr eure Gesamtausgaben kennt, könnt Ihr:

  • Budgets für Online-Shopping festlegen
  • Unnötige Käufe identifizieren
  • Eure Konsumgewohnheiten hinterfragen
  • Bei anderen Online-Händlern ähnliche Analysen machen

Die meisten Nutzer sind überrascht, wie viel sie tatsächlich bei Amazon ausgegeben haben. Diese Transparenz ist der erste Schritt zu bewussterem Online-Shopping.

Zuletzt aktualisiert am 20.02.2026