TikTok: Bei jungen Usern erfolgreicher als Instagram

Lebensbedrohliche Challenges: Droht ein Verbot von TikTok?

Das mit Abstand populärste Netzwerk für junge Menschen – und Minderjährige – ist derzeit TikTok. Doch hier zeigen Algorithmen vor allem Videos, die viral gehen. Selbst wenn es lebensgefährliche Inhalte sind.

Rund 1,5 Milliarden regelmäßige Nutzer weltweit: Die Video-Plattform TikTok kann sich nun wirklich nicht über mangelndes Interesse beklagen. Vor allem junge Menschen unter 25 streben in das chinesische Netzwerk – und verbringen dort viel Zeit. Sehr viel Zeit. Geboten werden unterhaltsame Videos, belanglose Videos, aber auch gefährliche Videos. Etwa „Challenges“, die lebensgefährlich sein könnten.

Das ist der Grund, wieso die EU-Kommission den Betreiber von TikTok nun ausdrücklich gewarnt hat. Es muss sich was ändern, sonst drohen Konsequenzen.

Es gibt also lautstarke und offizielle Kritik aus Brüssel. Aber was genau ist damit gemeint, wenn EU-Kommissar Thierry Breton sagt, es sei nicht hinnehmbar, dass Nutzer im einen Moment alberne Videos sehen – und im nächsten lebensbedrohliche?

TikTok ist vor allem bei Jugendlichen beliebt
TikTok ist vor allem bei Jugendlichen beliebt

Algorithmen präsentieren Blackout Challenge

Anders als bei Instagram bekommen TikTok-Nutzer nahezu ausschließlich Videos zu sehen, die gerade häufig angeschaut werden und viral gehen. Es geht also nicht so sehr darum, Videos von Freunden anzuschauen. Und in den Sozialen Netzwerken geht das viral, was Emotionen weckt und Aufmerksamkeit erregt. Das gilt zum Beispiel ganz besonders für sogenannte „Challenges“.

Was passiert, wenn man Mentos und Cola mixt, zum Beispiel. Aber auch: Spring rückwärts von einer Brücke, erklimme eine Mauer mit den bloßen Händen oder – das ist aktuell die „Blackout Challange“ –: Halte so lange die Luft an, bis Du ohnmächtig wirst. Oder viel häufiger: Lass sich von anderen würden und/oder nutze „Hilfsmittel“ zur Strangulation. Das hat schon mehrere Menschenleben gekostet.

Solcher verantwortungsloser Unsinn kursiert auf TikTok zuhauf. Und so etwas bekommen dann durchaus auch junge Menschen, selbst Minderjährige zu sehen. Weil man dazu gehören will, machen dann eben viele mit.

Ab 1. September gilt „Digital Services Act“

Noch gibt es keine wirklich durchgreifende Regeln. Ab 1. September aber schon, denn dann tritt der „Digital Services Act“ (DSA) in Europa in Kraft. Der sieht strenge und strikte Regeln für Plattformen vor, auch empfindliche Strafen und Sanktionen, wenn gegen diese Regeln verstoßen wird. Unter anderem bei „wiederholten ernsthaften Verstößen, die das Leben und die Sicherheit von Menschen gefährden oder bedrohen“.

Zweifellos verstoßen unzählige Videos, die es auf TikTok zu sehen gibt – auch für Jugendliche – eindeutig gegen diese Regeln. Die EU-Kommission hat dem Bytedance-Konzern deutlich gemacht, dass es so nicht bleiben kann und ab September dann sanktioniert wird. Selbst ein komplettes Verbot ist dann denkbar.

Blackout Challenge: Würgen oder Drücken bis zur Ohnmacht
Blackout Challenge: Würgen oder Drücken bis zur Ohnmacht

In den USA gibt es bereits Verbote

Apropos Verbot: In den USA wird schon länger öffentlich über ein mögliches Verbot von ToikTok gesprochen. Ex-Präsident Trump hatte einen Vorstoß gemacht.

Seit einiger Zeit dürfen Politiker und Mitarbeiter des Repräsentantenhauses kein TikTok mehr auf ihren Dienst-Handys installiert haben. Die Benutzung ist streng untersagt. Es gibt sogar eine Initiative, gemeinsam von Republikanern und Demokraten, ein weitreichendes Verbot von TikTok auf den Weg zu bringen. Allerdings geht es da nicht um die Sicherheit von Jugendlichen, sondern um die „nationale Sicherheit“.

Das Argument: TikTok ist am Ende ein chinesisches Unternehmen. In China sind Staat und Wirtschaft nicht entkoppelt. Es droht unkontrollierte Spionage. Es sind schon Fälle bekannt, in denen die chinesische Regierung zum Beispiel die Standorte von „unliebsamen“ US-Journalisten ermittelt hat. Um festzustellen, ob es konspirative Treffen gab. Der Spionagevorwurf ist absolut begründet.

EU zieht die Zügel straffer

Aber noch wurde kein Verbot ausgesprochen, weil TikTok immer wieder Besserung verspricht. Welche Bedeutung hat das für die EU?

Die Vorgänge in den USA sind richtungsweisend und ermutigen Kritiker in der EU, ebenfalls die Zügel straffer zu ziehen. Denn eigentlich müsste sichergestellt sein, dass keine Daten von Europa nach China wandern.

Noch in diesem Jahr soll ein Rechenzentrum in Irland an den Start gehen, die meisten Daten bleiben dann in der EU. TikTok sichert zu, dass der Datenfluss nach China dadurch „minimiert werde“. Minimiert heißt nicht unterbunden. Das Problem bleibt also. Die EU-Kommission scheint aber wach zu sein und signalisiert den chinesischen Betreibern eindeutig, dass Verstöße Konsequenzen haben werden. Ab September gibt es auch den rechtlichen Rahmen dafür.

 

 

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