Über zwei Jahre nach Elon Musks Twitter-Übernahme und der Umbenennung zu X ist das Chaos größer denn je. Während Konkurrenten wie Threads und Bluesky boomen, kämpft X mit Nutzerschwund und technischen Problemen. Eine aktuelle Bestandsaufnahme.
Was als Revolution des digitalen Diskurses angekündigt wurde, ist zur größten Social-Media-Bauchlandung der Geschichte geworden. Im Oktober 2022 übernahm Elon Musk Twitter für 44 Milliarden Dollar – heute ist X nur noch einen Bruchteil davon wert. Experten schätzen den Wert auf etwa 8-12 Milliarden Dollar.

Twitter hat damit angefangen, blaue Haken gegen Bezahlung anzubieten
X Premium: Der gescheiterte Goldrausch
Aus dem chaotischen Twitter Blue von 2023 wurde X Premium – aber das Grundproblem blieb. Wer heute 8 Euro monatlich zahlt, bekommt den blauen Haken und einige Features wie längere Posts, bessere Videoqualität und angeblich mehr Reichweite. Doch der erhoffte Goldrausch blieb aus: Nur etwa 1-2% der aktiven Nutzer zahlen für Premium.
Die Verwirrung ist komplett: Es gibt jetzt goldene Haken für Unternehmen, graue für Regierungen und blaue für Bezahlkunden. Echte Verifikation? Fehlanze. Jeder kann sich jeden Namen kaufen und bekommt einen Haken – Betrug und Identitätsdiebstahl inklusive.
Besonders absurd: Viele prominente Accounts verweigern X Premium demonstrativ. Selbst ehemalige Twitter-Fans wie Stephen King oder Mark Cuban haben der Plattform den Rücken gekehrt.

Elon Musk und Twitter: Eine Posse, die politische Schwäche zum Vorschein bringt
KI-Chaos und Content-Moderation im freien Fall
Nach den massiven Entlassungen (etwa 80% der Belegschaft) funktioniert die Content-Moderation kaum noch. Grok, Musks hauseigene KI, sollte das Problem lösen – ist aber hauptsächlich durch kontroverse und oft falsche Aussagen aufgefallen.
Desinformation verbreitet sich auf X schneller denn je. Während Konkurrenten wie Meta massiv in KI-basierte Moderation investieren, setzt X hauptsächlich auf Community Notes – ein System, bei dem Nutzer selbst Falschinformationen korrigieren sollen. Das Ergebnis: Verschwörungstheorien und Hassrede nehmen zu.
Besonders problematisch: Musks eigene Posts verstärken oft fragwürdige Inhalte. Seine Reichweite wurde algorithmisch bevorzugt – ein Umstand, der intern als „Power User Multiplier“ bekannt wurde.
Die große Flucht: Wohin gehen die Nutzer?
Während X Nutzer verliert, boomen die Alternativen. Threads von Meta hat mittlerweile über 200 Millionen Nutzer, Bluesky wächst exponentiell und erreichte Ende 2025 die 50-Millionen-Marke. Mastodon etabliert sich als dezentrale Alternative für technik-affine Nutzer.
Selbst für Journalisten und Politiker – einst X‘ Kernzielgruppe – gibt es bessere Optionen. Die EU-Kommission ist komplett zu anderen Plattformen gewechselt, deutsche Medien reduzieren ihre X-Präsenz drastisch.
Der Grund ist klar: Die Reichweite organischer Posts ist eingebrochen, während bezahlte Inhalte bevorzugt werden. Für Marken und Politiker, die authentisch kommunizieren wollen, ist X unbrauchbar geworden.
Die gescheiterte „Everything App“ Vision
Musks große Vision einer „Everything App“ nach WeChat-Vorbild ist komplett gescheitert. Zwar wurden Features wie Bezahlfunktionen und Jobsuche angekündigt, doch die Umsetzung ist mangelhaft.
Die wenigen neuen Features sind buggy und wenig durchdacht. Video-Calls funktionieren sporadisch, die Shopping-Integration ist rudimentär, und die versprochenen Krypto-Zahlungen kommen nicht voran.
Stattdessen konzentriert sich Musk auf politische Statements und die Integration seiner anderen Unternehmen. X wird zunehmend zur Werbeplattform für Tesla, SpaceX und seine politischen Ansichten.
Werbekunden im Exodus
Das größte Problem: Der Werbe-Exodus hält an. Disney, Apple, IBM und hunderte andere Marken haben ihre Budgets drastisch reduziert oder komplett gestrichen. Musks öffentliche Ausfälle gegen Werbetreibende („Go fuck yourself“ an Disney-Chef Bob Iger) haben die Situation verschärft.
X Premium und andere Paid-Features können die Verluste nicht kompensieren. Insider berichten von drastischen Umsatzeinbrüchen – manche Quartale liegen 70% unter den Vorjahreswerten.
Technische Infrastruktur am Limit
Die massive Personalreduzierung rächt sich auch technisch. Server-Ausfälle häufen sich, neue Features sind voller Bugs, und die mobile App wird immer instabiler. Während Konkurrenten in moderne Cloud-Infrastrukturen investieren, kämpft X mit Legacy-Problemen.
Besonders peinlich: Wichtige Events wie Wahlen oder Sportereignisse führen regelmäßig zu Überlastungen. Die Plattform, die einst für Echtzeit-Information stand, ist unzuverlässig geworden.
Ausblick: Das Ende einer Ära?
X steht 2026 vor einem Scheideweg. Die Nutzerzahlen sinken kontinuierlich, die Werbeeinnahmen brechen weg, und die Konkurrenz wird stärker. Selbst eine Übernahme durch andere Tech-Giganten wird spekuliert – Microsoft, Google oder Meta könnten interessiert sein.
Für Musk wird X zunehmend zur Belastung. Seine anderen Unternehmen Tesla und SpaceX leiden unter seinem X-Fokus. Branchenkenner erwarten, dass er die Plattform 2026 oder 2027 abstößt – mit enormen Verlusten.
Die Ära des Bird-Apps ist definitiv vorbei. Was als demokratisierte Meinungsplattform begann, wurde zum chaotischen Experiment eines Milliardärs. Die Zukunft des öffentlichen Diskurses findet woanders statt.
Zuletzt aktualisiert am 19.02.2026





