KI wird oft als Inhaltsgenerator verstanden: Gebt eine Anweisung, die KI führt sie aus und liefert euch ein Ergebnis. Es gibt aber auch viele Anwendungen, die versuchen, Handicaps auszugleichen. So beispielsweise Be My Eyes – eine App, die 2026 zu den führenden Barrierefreiheits-Tools gehört.
Die App existiert schon seit 2015 und hat sich kontinuierlich weiterentwickelt. Ursprünglich verband sie sehbehinderte Menschen mit freiwilligen Helfern per Video-Anruf. Seit 2023 revolutioniert der KI-Assistent „Be my AI“ das Konzept komplett: Statt auf menschliche Hilfe zu warten, analysiert modernste Computer Vision-Technologie Fotos in Sekundenschnelle und liefert detaillierte Beschreibungen.

Die aktuelle Version nutzt GPT-4V (Vision) und kann weit mehr als nur Objekte erkennen. Bei einer Quittung von DHL beschreibt die KI nicht nur den Text, sondern auch Layout, Farben, Logos und sogar den Zustand des Papiers. Medikamentenverpackungen werden mit Dosierungsangaben erfasst, Straßenschilder mit Richtungsinformationen, und bei Dokumenten erkennt die KI sogar handschriftliche Notizen.
So funktioniert Be My AI in der Praxis:
- Startet die App, dann tippt unten in der Symbolleiste auf Be My AI.
- Beim ersten Mal müsst ihr den Zugriff auf die Kamera einmalig freigeben.
- Richtet die Kamera nun auf den Ausschnitt aus, der beschrieben werden soll. Dann tippt auf Foto aufnehmen.
- Die App analysiert das Bild mittlerweile in unter 10 Sekunden – ein enormer Fortschritt gegenüber den Anfangszeiten.
- Die detaillierte Beschreibung erscheint auf dem Bildschirm und wird automatisch vorgelesen, wenn die Bedienungshilfen aktiviert sind.
- Über Weitere Fragen könnt ihr nachfragen oder präzisieren lassen. Ein Chat mit menschlichen Freiwilligen ist weiterhin möglich.
Neue Features 2024-2026:
Be My Eyes hat seine Funktionen massiv erweitert. Die Live-Text-Erkennung funktioniert jetzt in über 50 Sprachen, inklusive komplexer Schriftsysteme wie Arabisch oder Chinesisch. Besonders praktisch: Die App erkennt QR-Codes automatisch und liest deren Inhalte vor, ohne dass extra eine QR-Scanner-App nötig ist.
Neu ist auch der Kontext-Modus: Die KI merkt sich vorherige Anfragen einer Session und kann Zusammenhänge herstellen. Fotografiert ihr erst ein Kochrezept und dann Zutaten im Kühlschrank, schlägt die KI automatisch vor, welche Zutaten noch fehlen.
Für den Alltag besonders hilfreich ist die Gesichtserkennung: Die App kann Personen beschreiben und bei wiederholter Nutzung sogar wiedererkennen – natürlich nur mit eurer ausdrücklichen Zustimmung.
Datenschutz und Kosten:
Be My Eyes bleibt komplett kostenlos und finanziert sich über Unternehmenspartnerschaften. Microsoft, Google und andere Tech-Riesen unterstützen das Projekt finanziell. Eure Fotos werden verschlüsselt übertragen und nach der Analyse sofort gelöscht – ein wichtiger Punkt, da oft persönliche Dokumente fotografiert werden.
Die App ist DSGVO-konform und speichert keine Bilderdaten auf eigenen Servern. Lediglich anonymisierte Nutzungsstatistiken werden erhoben, um die KI weiter zu verbessern.
Community und Weiterentwicklung:
Über 6 Millionen Freiwillige sind mittlerweile bei Be My Eyes registriert und helfen bei komplexeren Anfragen, die die KI nicht allein lösen kann. Das Verhältnis liegt aktuell bei etwa 80% KI-Anfragen zu 20% menschlicher Hilfe – Tendenz zugunsten der KI.
Für 2026 plant Be My Eyes Integration mit Smart Glasses und AR-Brillen. Samsung und Apple arbeiten bereits an nativer Unterstützung in ihren kommenden AR-Geräten.
Be My Eyes könnt ihr kostenlos für Android und iOS herunterladen. Wenn euch der Service hilft, könnt ihr euch als freiwillige Helfer registrieren lassen – oder das Projekt durch Weiterempfehlung unterstützen. Eine Win-Win-Situation, die zeigt, wie KI sinnvoll gesellschaftliche Barrieren abbauen kann.
Zuletzt aktualisiert am 17.02.2026